ENTSTEHUNG DES FUTURES-HANDELS

ERSTE SCHRIFTLICHE TERMINKONTRAKTE

Die Entwicklung des Terminhandels hin zu ersten schriftlichen Terminkontrakten folgte im Mittleren Westen, welcher sich im 19. Jahrhundert zum Getreideproduktionszentrum der USA entwickelte. Oft spielte sich damals in den USA jeden Herbst ein wiederkehrendes Chaos ab:

Bei Überproduktion versuchten die Bauern, ihre gerade geernteten Getreide unter die Leute zu bringen. Dazu fuhren sie, oft gleichzeitig, in die grösseren Ortschaften und von Händler zu Händler, um den bestmöglichen Ertrag für ihre Ware zu erhalten. Dieses Überangebot zu Erntezeiten führte natürlicherweise zu sinkenden Preisen, und oft verrottete die Ernte in den Strassen oder wurde in Flüsse gekippt, weil gar kein Abnehmer zu finden war. Bei einer schlechten Ernte wurden die ungenügend gefüllten Lager schnell geleert. Esswaren aus Mais oder Weizen wurden zu kaum bezahlbaren Luxusgütern. Chaotische Preisbewegungen wurden zur Regel. Diese auszuschalten lag sowohl im Interesse der Produzenten als auch des Handels. Erste schriftlich festgehaltene Terminkontrakte zur Preisstabilisierung waren die logische Entwicklung.

So vereinbarte ein Weizenbauer bereits im Herbst 1835 anhand eines Terminkontrakts vor der Aussaat des Winterweizens mit einem Händler, diesem im nächsten Sommer 20 Tonnen Weizen zum fixierten Preis von USD 50 pro Tonne zu liefern. Der Händler wiederum verpflichtete sich, an diesem Datum die 20 Tonnen zum vereinbarten Preis zu beziehen. Der Bauer konnte damit die Abnahme seiner (noch nicht eingefahrenen) Ernte zu einem vereinbarten Preis sicherstellen. Andererseits konnte sich der Händler vor einem möglichen Preisanstieg schützen. Die Risiken für beide Parteien wurden somit transformiert.